KURIOSES
von Rechtsanwalt Thomas Wehrli
Keine Arbeit mehr für die WADA und Sportrechtsanwälte?

Die Dopingbekämpfung gehört seit Jahrzehnten zum Kernauftrag der WADA (World Anti-Doping Agency) und ihrer nationalen Ableger wie Swiss Sport Integrity. Athleten und Athletinnen werden getestet, gesperrt, Medaillen aberkannt. Wer mit leistungssteigernden Substanzen erwischt wird, gilt als Betrüger. Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt von dieser Auseinandersetzung – Experten, Labore und spezialisierte Anwälte. Doch gehört das bald der Vergangenheit an?
Im Jahr 2026 sollen erstmals in Las Vegas die sogenannten „Enhanced Games“ stattfinden – ein Wettkampf, bei dem Doping ausdrücklich erlaubt ist. Es sind Wettbewerbe im Schwimmen, Sprint und Gewichtheben geplant. Die Veranstalter locken mit hohen Eintrittsgeldern, Preisgeldern und sogar Millionenboni für neue Weltrekorde. Für Athleten und Athletinnen, die derzeit gesperrt sind oder die von den restriktiven Regeln klassischer Verbände frustriert sind, klingt das verlockend. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen dürfen Sportlerinnen und Sportler Namen und Bilder ihrer Sponsoren nur eingeschränkt nutzen, erhalten selbst aber keinerlei Entschädigung. Kein Wunder, dass alternative Formate an Attraktivität gewinnen.
Ernst König von Swiss Sport Integrity spricht von einer „gefährlichen Schnapsidee“. Gefährlich nicht nur für die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler – sondern womöglich auch für die eigene Institution. Denn wie wir bereits im Fall des Mountainbikers Mathias Flückiger aufgezeigt haben, hat Swiss Sport Integrity nicht immer durch transparente und faire Verfahren überzeugt und „offene“ Wettbewerbe würden alle Antidopingbehörden überflüssig machen. Auch wenn für die Teilnahme hohe Preisgelder und mediale Aufmerksamkeit gelten, riskiert man doch gesundheitliche Schäden und lebenslange Sperren in den klassischen Sportverbänden.
Fest steht: Zwischen konsequenter Dopingbekämpfung einerseits und der Kommerzialisierung von Doping andererseits entstehen neue Grauzonen – mit erheblichen Risiken für Athletinnen und Athleten, Veranstalter und der Glaubwürdigkeit des Sports. Vorteilhaft könnte sein, dass sich die klassischen Sportverbände, zB das IOC, Gedanken machen müssen, wie die Athletinnen und Athleten für die Teilnahme an Wettbewerben fair zu entschädigen sind.
Ob die WADA eines Tages tatsächlich überflüssig wird, bleibt offen. Bis dahin setzen wir uns weiterhin mit voller Kraft für fairen Sport ein.











