KURIOSES

von Rechtsanwalt Dr. Rafael Brägger


BASPO zieht E-Sports den Stecker


„No sports!“ – Das soll die Antwort des britischen Premierministers Winston Churchill (1874-1965) auf die Frage gewesen sein, wie er trotz zweier Weltkriege und elf Jahren als Regierungschef ein derart hohes Alter – er verstarb im 91. Lebensjahr – erreicht habe.

Nun, ein genauerer Blick in die Quellen zeigt, dass Churchill diese Aussage mit grosser Wahrscheinlichkeit gar nie gemacht hat. Im Gegenteil: Er war, zumindest in jüngeren Jahren, ein passionierter Reiter und Polo-Spieler. „No sports!“ lautet aber verbürgtermassen das jüngste Verdikt des Bundesamts für Sport (BASPO) in Bezug auf sog. „E-Sports“. Das BASPO veröffentlichte nämlich am 28. März 2019 einen Bericht, worin es zum Schluss kam, dass E-Sport nicht mit herkömmlichen Sportarten vergleichbar sei, weil „keine Primärerfahrungen in direktem Kontakt mit Mitmenschen und der Umwelt möglich“ seien. Das Erlebnis finde vielmehr im virtuellen Raum statt, weshalb E-Sport eine Spielkultur sei und kaum dazu beitrage, die Sport- und Bewegungsaktivitäten der Menschen zu unterstützen. Schliesslich hält das BASPO auch fest, dass die oft von Gewalt geprägten E-Sport-Games die Anforderungen an den Kinder- und Jugendschutz nicht erfüllen. Aus dem Beamtendeutsch übersetzt heisst das so viel wie: E-Sport ist nicht Sport, sondern „E-No-Sport“.

Die Nichtqualifikation von E-Sports als Sport dürfte vor allem die Organisationen und Verbände aus etablierten Sportarten freuen: Mit der Qualifikation als Sport ist der Zugang zu Fördermitteln des Bundes verbunden (siehe Artikel 68 der Bundesverfassung: „Der Bund fördert den Sport […].“). E-Sportler und insbesondere der Schweizerische Esports Verband (Swiss Esports Federation, SESF) haben somit weiterhin keinen Anspruch auf Subventionen des Bundes nach dem Sportförderungsgesetz. Entsprechend müssen die Sportverbände den „Kuchen“ nicht mit einem weiteren Verband teilen.

In der Tat ist die Konkurrenz durch E-Sports aus Sicht der herkömmlichen Sportarten durchaus ernst zu nehmen: Die Bedeutung von E-Sports ist in den letzten Jahren sowohl im „sportlichen“ als auch im wirtschaftlichen Bereich stetig gestiegen und befindet sich nach wie vor in einer markanten Wachstumsphase (siehe Newsletter April 2019). Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass sich die E-Sports-Veranstalter mit diesem Befund einfach zufrieden geben werden; vielmehr ist mit weiteren Vorstössen insbesondere auf politischer Ebene zu rechnen. Die Digitalisierung und die industrielle Revolution 4.0 werden längerfristig auch vor dem Sport und der Sportförderung kaum Halt machen..

Mit der Verweigerung der Anerkennung des Sportcharakters von E-Sports befindet sich die Schweiz im Übrigen auf der Linie ihrer Nachbarländer: In Deutschland und Österreich war den jüngsten Bemühungen der dortigen E-Sports-Verbände um Anerkennung von E-Sports als Sport ebenfalls kein Erfolg beschieden. In eine ähnliche Richtung äusserte sich unlängst das Internationale Olympische Komitee (IOK). Man darf gespannt sein, wie lange beispielsweise die Olympischen Spiele noch „e-sports-frei“ bleiben werden; die nächste Ausgabe findet 2020 in Japan statt, einer eigentlichen Hochburg des elektronischen Sports.